Luftqualität

Sicherheit liegt in der Luft

 

Ohne die Pressluftflaschen mit denen wir unter Wasser atmen können, könnten wir uns nicht an der wunderbaren Unterwasserwelt erfreuen. Das ist aber kein Grund Deinem Atemgas blind zu vertrauen. Es gibt verschiedene Verunreinigungen, die dieses Unterwasser-Lebenserhaltungssystem in reines Gift verwandeln können. Der Slogan "Safety is in the air" soll Taucher für das Risiko von Atemgasverunreinigungen sensibilisieren.

 

Vorsicht ist besser als Nachsicht! Deshalb konzentriert sich DAN Europe auf Prävention. Wir geben Tauchern Erste-Hilfe-Anleitungen an die Hand und sorgen im Falle von Vergiftungen für ihre Behandlung, unser Hauptziel ist es jedoch vorab schon zu vermeiden, dass mit verunreinigter Luft getaucht wird. Um dieses Ziel zu erreichen, informieren wir Taucher über die Möglichkeit einer Vergiftung und darüber, wie man die Risiken reduzieren kann. Zur Unterstützung der Kampagne verteilte DAN während der Tauchmessen 2014 an alle neuen DAN-Mitglieder und an alle Mitglieder, die ihre Mitgliedschaft erneuerten tausende von CO-Pro™s. Das CO-Pro™ ist ein persönliches Sicherheitsinstrument mit dem man Kohlenmonoxid im Atemgas feststellen kann. Außerdem verteilt DAN Europe die Broschüre zum Thema Luftqualität, in der erklärt wird, was eine Kohlenmonoxidvergiftung ist und wie sie verhindert bzw. behandelt werden kann.

 

Verunreinigtes Atemgas

 

Was ist eine Kohlenstoffmonoxidvergiftung und welchen Einfluss hat sie auf die Tauchsicherheit?

Kohlenstoffmonoxid (CO) ist ein geruch-, farb- und geschmackloses Gas, das bei der unvollständigen Verbrennung von fossilen Brennstoffen entsteht.


Es wird 200-mal mehr an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden als Sauerstoff. Damit reduziert es dessen Fähigkeit Sauerstoff zu transportieren und kann letztendlich zu Sauerstoffmangel und sogar zum Tod führen.


Wie schwerwiegend eine CO-Vergiftung ist, hängt davon ab wie stark die Konzentration im Atemgas war und wie lange es eingeatmet wurde. Auch das lange Einatmen relativ geringer Konzentrationen kann somit zu einer ernsten CO-Vergiftung führen.

Je tiefer man taucht desto höher ist der Partialdruck von CO. Selbst eine geringe CO-Konzentration, die bei einem normalen atmosphärischen Druck und nach einer ausgedehnteren Atemzeit keine vergiftende Wirkung hätte, kann bei zunehmender Tiefe gefährlich werden. Beim Abtauchen verdrängt CO den lebenswichtigen Sauerstoff sehr rasch vom Hämoglobin. Weil sich Sauerstoff mit zunehmendem Umgebungsdruck im Blutplasma physikalisch löst ist in größerer Tiefe die Sauerstoffversorgung der Gewebe über diesen alternativen Weg noch sichergestellt. Deswegen treten während eines tiefen Tauchgangs eher keine Probleme auf. Sie zeigen sich dann schlagartig beim Auftauchen, wenn mit abnehmendem Umgebungsdruck auch die physikalische Sauerstoffsättigung abnimmt und sich der absolute Mangel an Hämoglobin gebundenem Sauerstoff plötzlich auswirkt: An der Oberfläche gibt es fast keine physikalische Lösung mehr und die normale Sauerstoffversorgung ist durch das giftige CO auf längere Zeit massiv behindert.


Eine CO-Vergiftung ist die gefährlichste Form der Atemgasverunreinigung. Es gibt jedoch auch andere Formen der Verunreinigung, auf die wir Dich aufmerksam machen wollen.


Welche anderen Gefahren könnten in meinen Preßluftflaschen lauern?

Es gibt drei Kategorien von Kontaminationen, die Dein Atemgas verunreinigen könnten:

    1. Die am häufigsten in Atemluft auftreten wie z.B. Kohlenmonoxid (CO): Kohlendioxid (CO2), Feuchtigkeit (H2O), kondensiertes Öl, Partikel und Geruch
    2. Die an bestimmten Orten problematisch werden können: flüchtige Kohlenwasserstoffe und organische Komponenten wie z.B. Methangas (CH4)
    3. Seltene aber dennoch auftretende giftige Substanzen: z.B. Dämpfe von Reinigungsmitteln und halogenhaltigen Lösungsmitteln, Fahrzeugabgase, Schwefel und Produkte und Gase auf Stickstoffbasis

 

Übermäßige Mengen an Kohlendioxid (CO2) erhöhen die Atemfrequenz und sind bei tieferen Tauchgängen ein erhebliches Risiko für die Funktion der Atmung. Das führt zu geringen Veränderungen in der Wahrnehmung, Unwohlsein, Schwindel oder Benommenheit und kann in extremen Fällen zu Ohnmacht und sogar zum Tod führen.

Übermäßige Feuchtigkeit kann dazu führen, dass Atemregler einfrieren und sich entweder nicht öffnen oder abströmen. Feuchtigkeit fördert Korrosion und Rosten der Flaschen. Dadurch kann die Funktion der Sinterfilter gestört werden. Im feuchten Milieu bilden sich zudem Biofilme. Solche Bakterienrasen sind hygienisch bedenklich und entwickeln Gerüche, die Übelkeit und Atemprobleme verursachen.

Beim Öl sind es vor allem die kleineren Partikel, die ein Problem für die Gesundheit darstellen können. Anders als größere Partikel werden sie vom Reinigungssystem der Atemwege nicht entfernt. In die Liungen geratene Ölpartikel können Entzündungen auslösen. Öldämpfe können auch ein erhebliches Feuerrisiko sein.

Staub ist sowohl für unsere Lungen als auch für empfindliche Reglerteile gefährlich.

Die Sensibilisierung von Tauchern ist wichtig, damit Tauchstationen sorgfältig arbeiten, alle gut informiert sind und gefährliche Konatminationen zuverlässig vermieden werden!

 

Symptome und Behandlung

 

Was sind die Anzeichen und Symptome einer CO-Vergiftung?

Typische Anzeichen und Symptome einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung sind:

  • Kopfschmerzen und ein Druckgefühl im Kopf,
  • Schwindel,
  • Übelkeit,
  • Atemnot bei Belastung,
  • Verwirrung,
  • Erbrechen,
  • Lähmung bzw.
  • Bewusstlosigkeit.
Wenn Du bei Dir ein Symptom einer CO-Vergiftung feststellst oder die Anzeichen dafür bei einem anderen Taucher erkennst, ist es extrem wichtig, dass Du das folgende Verfahren einhältst um zu verhindern, dass es zu einer Ohnmacht, zur Handlungsunfähigkeit oder zum Tod kommt.

Erste Hilfe und Behandlung

 

Der Taucher sollte nicht mehr aus der kontaminierten Flasche atmen und den Tauchgang beenden. Der Tauchbuddy kann den Taucher über seinen Notlungenautomat mit sauberer Luft versorgen. Falls dessen Flasche jedoch mit demselben Kompressor gefüllt wurde, dann ist sein Luftvorrat vermutlich auch kontaminiert.


Es sollten so bald wie möglich lebensrettende Sofortmaßnahmen durchgeführt und 100%iger Sauerstoff verabreicht werden.


Organisiere den Transport in eine notfallmedizinische Einrichtung (am besten mit einer Druckkammer), damit eine medizinische Bewertung der Situation und eine angemessene Behandlung erfolgen kann. Rufe DAN für eine ärztliche Beratung an.


Eine schnelle Reaktion ist bei CO-Vergiftungsfällen lebenswichtig. Besser als die Symptome zu heilen ist es jedoch, sie von Anfang durch eine gute Präventionsstrategie zu vermeiden.

 

Die Vermeidung von Verunreinigungen

 

Wie reduziert man beim Tauchen das Risiko einer CO-Vergiftung?

Eine CO-Kontamination entsteht durch mit Abgasen belastete Luft, die der Kompressor ansaugt oder selbst verursacht.

Bei der Kompression der Atemluft können nur dann CO und CO2 in Deine Atemluft eindringen, wenn diese direkt im Umfeld des Kompressors auftreten. Daher ist es wichtig Standort und Umfeld des Kompressors zu überprüfgen, der Deine Flaschen füllt. Eine Kontamination des Atemgases in Deinen Flaschen muss unbedingt vermieden werden. Um absolut sicher zu sein, dass Du mit CO-freier Luft tauchst, solltest Du daher ein CO-Messgerät verwenden. Damit testest Du das Atemgas in DeinenFlaschen abschließend bevor Du mit ihnen tauchen gehst. Gehen wir also ein bisschen mehr ins Detail und finden wir heraus, was wir zur Vermeidung einer CO-Vergiftung tun können, egal, ob Du nun die Person bist, die die Flaschen füllt oder der Taucher, der sie verwendet.

 

Was müssen das Tauch-Center, der Tauchclub oder das Tauchgeschäft tun?

  • Sicherstellen, dass der Lufteinlass der Kompressoren sich nicht in der Nähe von Kontaminierungsquellen d.h. Motorfahrzeugen, Dieselgeneratoren oder anderer Auspuffe befindet bzw. auf der windabgewandten Seite des Auspuffes des Kompressors ist. In der Nähe des Lufteinlasses darf nicht geraucht werden. Es dürfen keine Materialien verbrannt werden.
  • Sicherstellen, dass das richtige Kompressoröl und die richtigen Filter verwendet werden und regelmäßig kontrollieren, dass der Luftansaugschlauch nicht beschädigt und Schlauchverbindungen nicht locker sind (dazu kann es durch Vibrationen kommen).
  • Vorgeschreibene Wartungsintervalle genau beachten, denn die häufige Nutzung kann zur Überhitzung führen und die hohen Temperaturen dazu, dass sich das Schmieröl in giftige Bestandteile wie z.B. CO zersetzt.
  • Regelmäßige Qualitätskontrollen der Atemluft: mit Messröhrchen, anderen nicht-wiederverwendbaren oder elektronischen Analysegeräten. Oft können oder müssen (je nach Region) auch akkreditierte Testlabore zur Qualitätssicherung der Atemluft beauftragt werden.

Was kann der Taucher tun?

  • Wenn Du Deinen eigenen Kompressor benutzt halte Dich an die oben genannten Empfehlungen.
  • Nimm nur Pressluft- oder Atemgasfüllungen von seriösen Tauch-Centern, Tauchclubs bzw. Tauchgeschäften an.
  • Frage bei Deinem Pressluftlieferanten nach wie oft er die Qualität der Luft kontrolliert, ob der Kompressor in regelmäßigen Abständen gewartet wird und ob ein Kompressorlogbuch geführt wird.
  • Falls möglich kontrolliere beim Füllen einer Flasche an einer Dir unbekannten Füllstation selbst, wo der Lufteinlass des Kompressors ist. Das gilt vor allem dann, wenn Du im Tauchurlaub bist.
  • Vermeide es direkt vor einem Tauchgang zu rauchen, denn Zigarettenrauch enthält auch CO.
  • Kontrolliere Deine Pressluftflasche mit Hilfe Deines eigenen CO-Messgerätes auf CO. Und zwar vor allem dann, wenn Du Dir bezüglich der Qualität des Pressluftlieferanten Sorgen machst oder wenn Du nicht feststellen kannst wie die Tauchflaschen gefüllt wurden. Während elektronische CO-Messgeräte vermutlich für einen einzelnen Taucher eher zu teuer sind, sind Produkte wie der CO - Pro™, mit dem man CO im Atemgas nachweisen kann, günstig und somit für jeden Taucher erschwinglich.

 

Obwohl Tauchunfälle aufgrund von CO-Vergiftungen relativ selten sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es doch dazu kommt dort höher wo Sicherheitsstandards missachtet werden. In abgelegenen Gegenden und bei informellen Kompressorinstallationen ist die Wahrscheinlichkeit einer Verunreinigung mit CO am größten.

 

Artikel und Forschung

 

"Scuba Air Quality" von Francois Burman:

 

 

 

 

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